Was ist Studienkolleg? Studienvorbereitung für Ausländer
Welche Aufgaben haben die deutschen Studienkollegs?
Die Hochschulzugangsberechtigung ausländischer Studienbewerber/innen aus bestimmten Ländern ist mit dem deutschen Abitur nur bedingt vergleichbar. Deshalb müssen solche Bewerber/innen vor dem Anfang ihres Studiums zuerst die sog. “Feststellungsprüfung” ablegen. Das bedeutet, dass ausländische Studienbewerber geprüft werden, ob sie für die Aufnahme eines Studiums an Hochschulen in Deutschland geeignet sind.
Die Studienkollegs bieten ausländischen Studierenden aus zahlreichen Ländern eine Art sprachliches und fachbezogenes Vorstudium. Dazu führen sie in Schwerpunktkursen einen einjährigen Vorbereitungsunterricht durch und nehmen die Feststellungsprüfung ab.
Seit SS 2008 bietet das Studienkolleg München das sogenannte Propädeutikum an. Das ist ein Vorbereitungskurs zum Studium speziell für Studierende aus dem Ausland mit direktem Hochschulzugang und eine weitere Möglichkeit, ihre Chancen auf ein Hochschulzeugnis zu verbessern.
Welche Voraussetzungen gibt es für die Zulassung zum Studienkolleg?
Ohne Deutschkenntnisse können Sie nicht in ein Studienkolleg aufgenommen werden! Die meisten Studienkollegs erwarten, dass Sie ein Zeugnis vorlegen können, das beweist, dass Sie mindestens 400 – 600 (in München bis 800) Unterrichtsstunden in Deutsch absolviert haben. Wenn Sie dieses Zeugnis in der Hand haben, können Sie sich bewerben. Für die Bewerbung brauchen Sie folgende Unterlagen: das Abschlusszeugnis des Heimatlandes und seine Übersetzung (beglaubigte Kopie); Nachweis über die Deutschkenntnisse (beglaubigte Kopie); Antrag auf Zulassung; in Bayern: ein Lebenslauf mit genauen Angaben über den Bildungsweg (besuchte Schulen, abgelegte Prüfungen etc.); Die Bewerbungstermine und -orte für die einzelnen Studienkollegs sind sehr unterschiedlich. In einigen Bundesländern bewerben Sie sich direkt beim jeweiligen Studienkolleg, in anderen bei den Akademischen Auslandsämtern der Universitäten bzw. bei einer staatlichen Stelle. In Bayern müssen Sie sich an einer der bayerischen Universitäten um einen Studienplatz bewerben; es gelten 15. Juli fürs WS und 15. Januar fürs SS als Bewerbungsfristen. (Falls Ihr Zeugnis als ausreichend für den Hochschulzugang anerkannt ist, müssen Sie bei der Bewerbung extra auf einem Platz im Studienkolleg bestehen.)
Falls Sie sich erfolgreich beworben haben, erhalten Sie eine Zulassung zur Aufnahmeprüfung. Dadurch werden in allen Studienkollegs Ihre Kenntnisse der deutschen Sprache noch einmal geprüft, um sicherzustellen, dass Sie dem Unterricht im Studienkolleg folgen können. Manche Studienkollegs führen zusätzliche Tests in Englisch, Mathematik oder Physik durch. Informationen darüber und Beispiele für Aufnahmetests können Sie unter den Homepages des jeweiligen Studienkolleg finden.
Nachdem Sie ihre Prüfung(en) erfolgreich bestanden haben, können Sie im Studienkolleg aufgenommen werden. Zur Aufnahme müssen Sie Ihre Originalzeugnisse und die Originale der beglaubigten deutschen Übersetzungen vorlegen! An allen Universitätsstudienkollegs (wie dieses in München) sind die Kollegiatinnen und Kollegiaten eingeschriebene (immatrikulierte) Studierende der jeweiligen Hochschule. Der Kollegbesuch wird jedoch nicht als Teil des Studiums angerechnet.
Für das Propädeutikum bewerben sich Interessierte direkt beim Studienkolleg in München.
Bewerbungsschluss für das Sommersemester (März bis Juli) ist der 15. Februar, für das Wintersemester (September bis Januar) der 15. September. Für die Bewerbung legen Sie den Nachweis über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ (z.B. DSH-1, TestDaF-3, Mittelstufe II) und Ihr Hochschulzugangszeugnis vor, das in Deutschland den direkten Hochschulzugang ermöglicht. Sie werden auch an der TUM oder LMU immatrikuliert.
Was erwartet Sie im Studienkolleg?
In den Studienkollegs findet – je nach Art des Kurses – Unterricht in 5 bis 7 Fächern zwischen 28 und 34 Wochenstunden statt. Als Kollegiatin sind Sie zur Anwesenheit verpflichtet und müssen an den regelmäßigen schriftlichen und mündlichen Leistungskontrollen teilnehmen. Die Ausbildung dauert in der Regel ein Jahr (zwei Semester), für das Propädeutikum ein Semester. An den Studienkollegs werden unterschiedliche Schwerpunktkurse mit verschiedenen Fächern angeboten. Die Entscheidung, in welchem Kurs Sie angenommen werden, hängt davon ab, in welcher Fachrichtung Sie später studieren wollen:
* M-Kurs für medizinische, biologische und pharmazeutische Studiengänge
* T-Kurs für mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Studiengänge
* W-Kurs für wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studiengänge
* G-Kurs für geisteswissenschaftliche Studiengänge und Germanistik
* S-Kurs für Sprachen (G- und S-Kurse werden in einigen Kollegs zusammengefasst.)
Das Propädeutikum bereitet gezielt auf das Fachstudium technisch-mathematisch-naturwissenschaftlicher oder wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge vor.
Am Ende des zweiten Semesters im Studienkolleg finden die schriftlichen Feststellungsprüfungen in Deutsch und mindestens 2 weiteren Fächern statt, in allen Fächern kann eine mündliche Prüfung stattfinden. Falls Sie die Feststellungsprüfung nicht bestehen, können Sie sie nur einmal, und zwar frühestens im nächsten Semester, wiederholen. Falls Sie die Feststellungsprüfung erfolgreich bestehen, erhalten Sie ein Zeugnis, mit dem Sie sich – zusammen mit dem Heimatreifezeugnis – um einen Studienplatz in allen Fachrichtungen, die dem absolvierten Kurs zugeordnet sind, bewerben können. Die Zeugnisse werden an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen in ganz Deutschland anerkannt. Das Propädeutikum bietet die Möglichkeit, an der regulären Feststellungsprüfung im Fach Deutsch teilzunehmen. Die bestandene Feststellungsprüfung in Deutsch ist gleichwertig mit der DSH-2 oder dem TestDAF 4. Im Propädeutikum kann also auch die für die Aufnahme eines Studiums erforderliche Deutsch-Qualifikation erworben werden.
Wie viel kostet der Unterrichtsbesuch an einem Studienkolleg?
Im Unterschied zu den Universitäten sind Unterricht und Prüfungen an den Studienkollegs kostenlos (gültig auch für Teilnehmer am Propädeutikum). Als eingeschriebene(r) Studierende(r) müssen Sie aber Semesterbeiträge an die jeweiligen Hochschulen zahlen (z.B. Einschreibgebühr, Sozialbeitrag, Semesterticket). Diese Kosten liegen insgesamt zwischen 30,- bis 200,- Euro pro Semester (in München: 92,- Euro). Die Lebenshaltungskosten (Wohnung, Kleidung, Essen und Trinken usw.) betragen – je nach Studienort – zwischen 550,- bis 700,- Euro pro Monat. In einigen Bundesländern ist der Abschluss einer Krankenversicherung Pflicht. Die Kosten liegen zwischen 20,- bis 70,- Euro pro Monat. Eine andere Möglichkeit ist die europäische Versicherungskarte aus Bulgarien (etwa 7-8 lv pro Monat). Als StudentIn sind Ihnen 90 Arbeitstage pro Jahr erlaubt. Für Studienanfänger gibt es in der Regel keine Stipendien. Nach dem ersten Semester gibt es aber manchmal welche, die direkt von der Leitung des Studienkollegs organisiert werden und deswegen mit weniger Aufwand seitens der Studenten beantragt werden können.
Links:
www.studienkollegs.de/Adressen_STK_DAAD.htm
Gergana Nenova
