Geschichte
Prof. Kyrill Haralampieff
Bulgarische Studenten in München
Zur Geschichte des Bulgarischen Akademischen Vereins “Schipka”, MünchenErschienen in Bulgarische Sammlung Band 1 = Südosteuropa-Gesellschaft Studienheft 27, Bulgarische Sprache, Literatur und Geschichte
Im 19. Jahrhundert gingen viele junge Bulgaren ins Ausland, um an ausländische Universitäten und Hochschulen zu studieren. Ihre Zahl erhöhte sich wesentlich nach 1878 als das Land von der Türkenherrschaft befreit wurde, denn der Bedarf an Lehrern, Ärzten, Ingenieuren, Juristen u. a. war im neu geschaffenen bulgarischen Staat sehr gross. Andererseits strebten die Bulgaren danach, in geistiger und kultureller Hinsicht den höher entwickelten Nachbarn möglichst schnell ebenbürtig zu werden. Gefördert durch die regen Handelsbeziehungen mit dem Ausland, machte sich in Bulgarien allmählich westeuropäischer Einfluss bemerkbar. Zu den Vermittlern dieses Einflusses gehörten auch jene bulgarischen Studenten, die in Leipzig, München, Berlin, Wien, Moskau, Odessa, Rom, Paris, Bukarest, Agram und anderswo studierten. In einigen dieser Städte, wo es grössere bulgarische Bevölkerungsgruppen gab, wurden bulgarische Vereinen gegründet, die sich zur Aufgabe machten, ihre Landsleute bei ihrer Ausbildung finanziell zu unterstützen.1
1879 wurde in München der Bulgarische Akademische Verein “Schipka” gegründet. Der Name Schipka sollte das Gedenken an jenen legendär gewordenen Ort im mittleren Balkangebirge wachhalten, der für die Bulgaren das Symbol des Geistes der Freiheit und für die Jugend das Vermächtnis der Schipka-Helden ist, um Aufstieg, Einigkeit und kulturellen Fortschritt Bulgariens bemüht zu bleiben. München mit seinen Hochschulen und seinen Kulturdenkmälern, mit dem Charakter seiner Bevölkerung und mit seine Umgebung hat eine grosse Anzahl bulgarischer Studenten angezogen. (Vgl. hierzu für den Zeitraum bis 1935 die Tabelle, für den Zeitraum bis 1940 die Graphik2). Schon vor der Gründung des Vereins studierten an den Hochschulen Münchens eine Reihe Bulgaren. Zu den bekanntesten gehörte Petar Beron (1800 – 1871), der sein Medizinstudium 1831 beendete. Er war auch als Kaufmann tätig und gelangte durch Handel in kurzer Zeit zu Wohlstand, widmete sich dann aber der Wissenschaft. Längere Zeit hielt er sich in Paris auf und reiste häufig nach London, Berlin, Wien, Prag und Athen. Beron veröffentlichte mehr als 20 Werke auf dem Gebiet der Philosophie, Physik, Astronomie, Mathematik und Chemie in deutscher, französischer, griechischer und lateinischer Sprache. 1824 verfasst er das erste bulgarische Schulbuch (Riben bukvar – Fischfibel), das zu einem Volksbuch wurde und durch die Einführung der Bell-Lancasterschen Lehrmethode den Elementarunterricht in den bulgarischen Schulen modernisierte. Seine Dissertation in lateinischer Sprache gehört zu den Raritäten der Universitätsbibliothek Mänchen.
Über den Verein “Schipka” wurde im Verlauf seines 100-jährigen Bestehens trotz seiner regen kulturellen Tätigkeit wenig geschrieben. Dasselbe gilt für die Deutsch-bulgarische Gesellschaft, die 1915 in München gegründet wurde. “Schipka” war der Sammelpunkt aller in München studierenden Bulgaren. Für sie war der Verein immer ein Stück Heimat, eine durch Zusammenschluss gebildete Gemeinschaft, wo sich alle fern von der Heimat wohl fühlten. Es herrschte ein Geist der Zusammengehörigkeit. Die letzte mit bekannte Satzung von “Schipka” ist die am 18. Juni 1930 in Kraft getretene. Sie enthält 55 Paragraphen, welche in 11 Artikel eingeteilt sind. Nach §2 hat der Verein folgende Zwecke: “Er fördert:
(1.) die kulturelle Ausbildung seiner Mitglieder, macht sie mit der deutschen Kultur sowie die Deutschen mit der bulgarischen Kultur vertraut, bemüht sich um die gegenseitige Annäherung und das Kennenlernen der Mitglieder;
(2.) und schafft Bedingungen für eine verbilligte Lebensweise für die minderbemittelten Vereinsmitglieder, er erteilt Auskünfte und steht Bulgaren zur Verfügung, die in München studieren wollen”.
Um diese Ziele zu erreichen soll der Verein wissenschaftliche Referate und Vorträge, Vortragsabende und Zusammenkünfte veranstalten. Geplant waren Ausflüge, Besichtigungen usw. Um die Unabhängigkeit seiner Mitglieder zu wahren, heisst es in §3: “Dem Verein sind jegliche politischen und religiösen Ziele fremd.” §6 besagt: “Ordentliches Mitglied kann jeder Bulgare und bulgarische Staatsangehörige werden, der an der Universität, der Technischen Hochschule, der Akademie der Tonkunst und der Staatsschule für angewandte Kunst studiert”. Als ausserordentliches Mitglied konnte laut §7 aufgenommen werden: “Jeder in München ansässige Bulgare oder bulgarische Staatsangehörige” und “jeder an einer Hochschule oder Fachschule Bayerns studierende Bulgare oder bulgarische Staatsangehörige”. Die Hauptversammlung bestimmte über die Aufnahme der aussenordentlichen Mitglieder. Auch jene Studenten, die ordentliche Mitglieder waren und ihr Studium abgeschlossen hatten, wurden danach als aussenordentliche Mitglieder weitergeführt. Neben der Jahresversammlung, die nach Beginn des Wintersemesters stattfand und der aussenordentlichen Versammlung, welche nach bedarf einberufen wurde, fanden die sogenannten ordentlichen Versammlungen einmal im Monat statt. Der Vorstand wurde für die Dauer von zwei Semestern gewählt. Als Vereinsfeiertag bestimmte man den Tag der Slavenapostel Kyrill und Method (24. Mai), Schöpfer des slavischen Alphabets.3 In Bulgarien war und ist dieser Tag der grösste Schulfeiertag. Die Vereinsmitglieder feiern diesen Tag seit mehreren Jahrzehnten in Kloster Andechs (Ammersee). Wann dieser Brauch ins Leben gerufen wurde und ob er gar schon vom Anfang an existiert, ist leider nicht mehr festzustellen. Dem Verfasser ist jedoch bekannt, dass bereits lange vor dem letzten Krieg dieser Brauch schon eingeführt war.
Der bulgarische Akademische Verein “Schipka” gab aus Anlass seines 55-jähriges Bestehens, am 24. Mai 1935, eine Jubiläums-Festschrift 1879-1935 heraus. Der Entwurf des Umschlags stammt von Iwan Penkoff (1897 – 1957), bulgarischer Kunstmaler, der 1924 an der Staatsschule für angewandte Kunst in München studierte. Die Festschrift (50 Seiten) enthält eine Abbildung der Universität, der Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste in München, ferner einen Abdruck von Glückwunschschreiben bulgarischer und deutscher Politiker, ebenso ein Grusswort des Rektors der TH, Prof. Dr. A. W. Schmid, des 1. Vorsitzenden der Deutsch-bulgarischen Gesellschaft in München, Dr. med. E. Maurer u. a. Ausserdem enthält sie eine Aufstellung der bulgarischen Studenten, die ihr Studium in München absolvierten in chronologischer Reihe (Name, Geburtsort und Studienfach) für die Zeit von 1879 – 1835; insgesamt 550 Personen, die zugleich Vereinsmitglieder waren. Die Zahl der bulgarischen Studenten in München war dagegen viel höher. Dieser Frage muss einmal gesondert nachgegangen werden. Auch die Angaben der Festschrift bedürfen einer Überprüfung und Ergänzung, soweit dies möglich ist. Ferner gibt es ein Verzeichnis der Vorstandschaften des Vereins vom Wintersemester 1879/80 bis zum Sommersemester 1935, eine Tabelle der seit 1879 an der Münchener Hochschulen eingeschriebenen Studenten, nach Jahren aufgegliedert, sowohl die Zahl der Mitglieder, die sich im Jahre 1935 auf 71 belief. Als Vertreter der Universität Sofia kann der bekannte bulgarische Wissenschaftler und Chirurg Prof. Dr. Alexander Stanischeff nach München. In der Festsitzung sprach er “&über den Einfluss der deutschen Wissenschaft und Kunst auf die kulturelle Entwicklung des Dritten Bulgarischen Reiches”. Stanischeff begrüsste den Drang der jungen Bulgaren, im Westen zu studieren und “aus den Quellen des Geistes zu schöpfen” und insbesondere in München zu sein “als Pflegestätte echter bodenständiger Kultur, reine unverfälschter Wissenschaft und gesunder hochstrebender Kunst”. Er führte weiter aus, dass er vor genau 30 Jahren in dieser wunderschönen Stadt sein Medizinstudium angefangen hat und “hier, im Genusse einer liebevollen Gastfreundschaft, verbrachte ich die schönste Zeit meines Lebens, meine Studenten- und späteren Ausbildungsjahre. Damals hatte ich die Ehre, Präsident unseres teuren Vereins “Schipka” zu sein”. Manche der ersten Professoren der 1888 gegründeten Universität in Sofia erhielten ihre Hochschulausbildung in Deutschland. Unter ihnen befand sich der bekannte Mathematikprofessor Emanuil Dimitrov Ivanov, der als junger Student in München an der Gründung des Akademischen Vereins “Schipka” teilgenommen hatte. Danach erfolgte eine Aufzählung der Fakultäten der Universität Sofia mit genauen Angaben über die Zahl der Professoren, welche in Deutschland studierten und wer von ihnen seine Bildung bzw. Fachausbildung an einer Münchner Hochschule erhalten hat. Die Universitätsbibliothek Sofia hatte zur damaligen Zeit in ihren Beständen mehr Bücher in deutscher Sprache als in Bulgarisch, gefolgt von französischen, russischen und englischen Büchern. Auch die meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Professoren der Universität Sofia waren in Deutsch geschrieben. Als Ausdruck der Dankbarkeit für eine grosszügige Bücherspende für die Universität Sofia, die auf Vereinlassung des Geheimrats Prof. Friedrich von Müller, Direktor der Klinik für Innere Medizin in München erfolgte, verlieh ihm der Senat der Universität Sofia den Titel Dr. h. c., den ersten Ehrendoktor der Universität überhaupt.
- Dimitar Angelov (geb. 1917)
Fachausbildung und Promotion in München 1941-1943, Akademiemitglied, Professor für byzantinische Geschichte der Hist.-philol. Fakultät seit 1949, Dekan 1961-1963, 1968-1970. Direktor des Archäologischen Instituts seit 1971, Rektor des Instituts für ausländische Studierende in Bulgarien 1963-1965. - Georgi Bradistilov (geb. 1904)
Fachausbildung und Promotion in München 1937-1938, Korrespondierendes Mitglied der Akademie, Professor für angewandte Mathematik 1945-1953, Dekan der Fakultät für Bauwesen des Staatlichen Polytechnikums in Sofia 1945-1947, Rektor des Polytechnikums 1947-1948, Prof. für höhere Mathematik am Maschinen-elektrotechnischen Institut seit 1953, Rektor des Instituts 1962-1966. - Emanuil Ivanov (1857 – 1925)
Absolvent in Mathematik und Physik an der Technischen Hochschule München, Akademiemitglied, Professor für höhere Analysis 1890-1910, dann für hähere Algebra 1918-1923 in Sofia, 1890-1894 Rektor der Hochschule (Universität) in Sofia. - Dimitar Michalcev (1880 – 1967)
Fachausbildung in Berlin, Greifswald, Freiburg und München 1905-1910, Akademiemitglied, Professor für systematische Philosophie der Universität Sofia 1920-1947, Dekan 1922-1923, Bulgarischer Gesandter in der Tschechoslowakei 1923-1927 und in der Sowjetunion 1934-1936, Schüler und Verfechter der Lehre des deutschen Philosophen Rehmke. - Dimitar Mischajkov (1883 – 1945)
Fachausbildung in München und Berlin 1904-1907, Akademiemitglied, Professor für theoretische Statistik der Universität Sofia 1924-1930, 1931-1940, Dekan der Juristischen Fakultät 1919-1922, Handelsminister 1930-1931, Kulturminister 1936. - Stefan Mladenov (1880 – 1863)
Fachausbildung in Paris und München 1911-1912, Akademiemitglied, Professor für Geschichte des Bulgarischen und für vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Sofia, Dekan des Hist.-philol. Fakultät 1923-1924. - Vasil Mollov (1875 – 1938)
Fachausbildung in Wien, München, Hamburg, Berlin 1901, 1903, 1907, 1908, 1919-1921, Korrespondierendes Mitglied der Akademie, Mitbegründer der medizinischen Fakultät der Universität Sofia, Professor für innere Krankheiten 1918-1938, Dekan 1922-1923, 1936-1937, Rektor der Universität Sofia 1923-1924, 1934-1935. - Petar Mutafciev (1883 – 1943)
Fachausbildung in München 1920-1922, Akademiemitglied, Professor für Geschichte Osteuropas der Universität Sofia 1927-1943, Dekan der Hist.-philol. Fakultät 1936-1937. - Dimitar Orachovac (1892 – 1963)
Medizinabsolvent in München 1920, Akademiemitglied, Professor für Physiologie der Universität Sofia 1940-1958, Dekan 1932-1934, 1939-1941, 1943-1945, Rektor der Universität Sofia 1945-1947. - Bojan Penev (1882 – 1927)
Fachausbildung in München und in Berlin, 1908-1910, Korrespondierendes Mitglied der Akademie, Professor für bulgarische und slavische Literaturen der Hist.-philol. Fakultät der Universität Sofia. - Methodij Popov (1881 – 1954)
Fachausbildung in München 1904-1909, Akademiemitglied, Professor für Anatomie und Histologie 1916-1923, dann für allgemeine Biologie der Medizinischen Fakultät in Sofia, Dekan 1942-1943, Rektor der Universität 1920-1921. - Alexander Stanischeff (1886 – 1945)
Student der Medizin 1905-1910 in München, 1910-1911 wissenschaftlicher Assistent an der chirurgischen Klinik der Universität München, 1919-1920 Fachausbildung in München und Heidelberg, Professor seit 1920, Dekan der Medizinischen Fakultät 1930-1931, 1937-1938, Rektor der Universität Sofia 1937 -1938. - Asen Zlatarov (1885 – 1936)
Fachausbildung in München 1909-1910, Professor für Biochemie der Universität Sofia, Dekan der Fakultät für Physik und Mathematik 1931-1932.5
Aus den an der Akademie für bildende Künste studierenden Bulgaren sind einige namhafte Künstler hervorgegangen. Besonders hervorzuheben ist Nikolaj Pavlovic (1835-1894), Historienmaler, der zuerst in Wien war und dann mit Unterstützung von P. Beron nach München kam, wo er zwei Jahre bei G. Hiltensperger und Hermann Anschütz studierte. Beide, ebenso wie der Direktor der Akademie, W. Kaulbach, gehörten der historisch-romantischen Schule von Peter Cornelius an. Über 50 der Werke Pavlovics mit Motiven aus der bulgarischen Geschichte erfreuten sich grösster Beliebtheit in Bulgarien und wirkten durch ihren Inhalt patriotisch-revolutionär. Er betätigte sich auch als Porträtist; erfolgreich waren seine Frauenbildnisse und seine Ikonenmalerei. Durch Einführung der Dreidimensionalität und der Benutzung von lebenden Modellen wollte Pavlovic die einheimische Kunst im Sinne der abendländischen reformieren. Die Kunst Akademie in Sofia wurde 1951 ihm zu Ehren in “Hochschulinstitut für darstellende Künste Nikolaj Pavlovic” umbenannt. Den Gedanken, eine Kunstschule in Bulgarien zu gründen, hat Pavlovic in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts aufgeworfen, doch erst 1896 konnte dies auf Vorschlag von K. Velickov verwirklicht werden.
Auch der Tscheche Jan Vaclav Mrkvicka (1857-1938) spielte in der bulgarischen Kunst eine bedeutende Rolle. Nach seinem Studium in Prag und München bei O. Seitz wirkte 40 Jahre in Bulgarien. 1896 wurde er der erste Direktor der neu eröffneten staatlichen Zeichenschule in Sofia bis zu Ihrer Umwandlung in einer Kunstgewerbeschule 1908 und war dann als Professor bis 1921 dort tätig.
Ivan Angelov (1864-1924), Kunstmaler, später Professor in Sofia, studierte von 1882-1886 in München. Seine Vorliebe galt der Darstellung des Tragischen im Landleben, dem Kampf des bulgarischen Bauern und seiner Knechte mit den Naturgewalten.
Sheko Spiridonov (1867-1945), Bildhauer, dann Professor in Sofia und Direktor der Kunstakademie, studierte von 1896-1898 bei Eberle in München. Seine ersten Werke stellte er 1895 im Münchner Glaspalast mit der Gruppe Luitpold aus.
Auch der Bildhauer Ivan Lazarov (1890-1952), Professor und Direktor der Akademie in Sofia, war zur Fachausbildung von 1917-1919 in München.
Der Landschaftsmaler Aleksadar Mutafov (1879-1957), Professor in Sofia, war von 1902-1903 in München. Seine Stärke war die Marinemalerei; das stürmische Meer mit bedrohlicher, dunkler Wolkenstimmung ist ein von ihm bevorzugtes Motiv.
Der Schöpfer der bulgarischen Karikaturenmalerei und zugleich ihr bedeutendster Vertreter, Aleksandar Boshinov (1878-1968) war ebenfalls zur Fachausbildung in München.
Ein Schüler der Kunstakademie in München (1899) war auch Nikola Mihajlov (1876-1960). Er malte Bilder mit mythologischen Motiven, später auch Porträts, in denen er die geistigen und körperlichen Vorzüge der dargestellten Persönlichkeit hervorhob, ebenso zarte und anmutige Frauenbildnisse von dekorativer Eleganz. Seit 1922 bereiste er jährlich Nord- und Südamerika, wo er, ebenso wie in Europa, in fast allen grossen Städten seine Werke ausstellte.6
Nach dem ersten Weltkrieg hat sich eine grössere Gruppe Bulgaren – Wissenschaftler, Dichter, Schriftsteller und Kunstmaler – in München aufgehalten. Der bekannte bulgarische Bibliograph Nikola Michov (1877-1862) hatte den Auftrag, in den grossen Bibliotheken des Westens Literatur zur Geschichte Bulgariens zu sammeln.
Auf Empfehlung von Bojan Penev, dem bekannten Literaturhistoriker an der Universität Sofia, nahm er auf der Reise den Dichter und Übersetzer Nikolaj Liliev (1885-1960) mit. 1921 fuhren beide nach Wien, acht Monate später nach München. Hier hatte sich eine bulgarische “Kolonie” gebildet – Konstantin Starkelov, Decko Uzunov, Rajko Aleksiev, Cavdar Mutafov, Bagrjana, Georgi Rajcev, Vladimir Poljanov, Svetoslav Minkov, Venedikt Bobcevski, Professor Miletic mit seiner Familie. Gemeinsam gingen sie ins Theater, in Konzerte und Ausstellungen. Treffpunkt der Bulgaren war das Cafe; “Stephanie” in der Türkenstrasse. Infolge der stabilen bulgarischen Währung gegenüber der inflationären deutschen, hatte sich ihre finanzielle Lage verbessert.
Schon in München beschäftigte sich Liliev mit dem Gedanken, das Poem “Ahasver” zu schreiben, den er in Unterflintsbach, einem kleinen Ort in der Nähe Rosenheims, wo er in Januar 1924 verweilte, verwirklichte. Bei seiner Rückreise aus Italien hielt sich Vladimir Dimitrov-Majstora, der bekannte Kunstmaler und Freund Lilievs, einige Tage in München auf. Liliev führte ihn in die alte und neue Pinakothek; eine Reise nach Nürnberg in das Dürer-Haus folgte.7
Die Tätigkeit des Vereins war während der Kriegs- und Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Einige ehemalige Vereinsmitglieder, die in München oder Umgebung wohnten, hatten den Wunsch, den Verein neu zu beleben, wenn auch in bescheidenerer Form als vor dem Kriege, nachdem derzeit nicht damit zu rechnen ist – von einigen Ausnahmen abgesehen – dass bulgarische Studenten zum Studium nach München kommen.
Am 30. Oktober 1964 versammelten sich im bulgarischen Rastaurant “Donau-Grill” (Inh. Asen Petrov) in München etwa 20 ehemalige Vereinsmitglieder und beschlossen, jeden ersten Freitag eines Monats in diesem Restaurant zusammenzukommen. In den Vorstand des Vereins wurde Dr. Anton Kalojanoff, Chemiker, ind Dipl.-Ing. Georgi Bryanoff, Statiker, gewählt und als Geschäftsführer der Verfasser dieses Aufsatzes bestellt.
Dank der finanziellen Unterstützung von Herrn Dr. A. Kalojanoff, Bachern, und Herrn Dipl.-Ing. Dimiter Stajtscheff, München, und gelentlicher kleinerer Spenden anderer Mitglieder, konnten wir nach althergebrachter Art und Weise seit 1964 das bulgarische Weihnachtsfest (7. Januar) zusammen feiern und die traditionelle Fahrt nach Kloster Andechs (24. Mai) jedes Jahr durchführen.
Für die Überlassung der Jubiläums-Festschrift 1879-1935 und die Satzung des Vereins “Schipka” bedanke ich mich bei Herrn Dipl.-Ing. Slavtscho Mantscheff, München, denn ohne seine freundliche Hilfe wäre es mir kaum möglich gewesen, diesen Aufsatz zu schreiben.
Anmerkungen:
1 P.D. Mazdrakov: Vienskoto balgarsko druzestvo “Napredak”. In: Slavjani 1, 1980.
2 Siehe Anmerkung 4
3 Satzung des Bulgarischen Akademischen Vereins “Schipka”, München, den 24, Mai 1930
4 Jubiläums-Festschrift 1879-1935. Bulgarischer Akademischer Verein “Schipka”, München, den 24. Mai 1935. Zitate und Tabelle sind daraus entnommen. Die Graphik entstammt der Druckschrift zum Kyrill und Method – Feiertag am 24. Mai 1940.
5 Weitere Namen finden sich in: 100 godini Balgarska akademija na naukite 1969, 1972.
6 Bogdan Filov: Geschichte der bulgarischen Kunst unter der türkischen Herrschaft und in der neueren Zeit. Berlin und Leipzig 1933.
7 Georgi Konstantinov: Nikolaj Liliev. Sofia 1963.





